
Ivo Erard, Architekt des Swiss Rotor Hubs im Interview zur architektonischen Sprache und den Herausforderungen am Flughafen Grenchen zu bauen
Sie sind Architekt in Grenchen und haben den neuen Hangar der Rega am Flughafen Grenchen betreut. Jetzt komm der Swiss Rotor Hub dazu. Handelt es sich hier um einfaches «Copy Paste» oder unterscheiden sich die Projekte voneinander?
Wir freuen uns natürlich, dass wir nach dem Hangar Ost und dem Hangar 1 nun auch den Swiss Rotor Hub umsetzen dürfen und damit unsere unschlagbare Kompetenz in der Architektur am Flughafen weiter unter Beweis stellen können. Die Frage, ob es sich um einfaches «Copy Paste» oder um sehr unterschiedliche Projekte handelt kann nicht mit einem einfach «ja» oder «nein» beantwortet werden. Da ist zum einen die architektonische Sprache, die uns bei diesem Projekt sehr wichtig ist. Sie verbindet die drei Gebäude (Hangar Ost, Hangar 1 und Swiss Rotor Hub) miteinander. Diese Sprache beruht auf dem Prinzip des Holzbaus, der im Flughafenbau eine grosse Tradition hat. Dieses Prinzip haben wir schon beim Hangar Ost und beim Hangar 1 weitergeführt. Der Swiss Rotor Hub basiert auch auf diesem Prinzip. Dadurch schaffen wir eine einheitliche architektonische Sprache und stellen sicher, dass die drei Gebäude erkennbar miteinander verbunden sind. Sie zeigt, dass die Gebäude aus derselben Zeit stammen und wie stark und mutig sich der Flughafen Grenchen seit der Jahrtausendwende weiterentwickelt.
Auf der anderen Seite sind die unterschiedlichen Anforderungen der drei Gebäude. Sie unterscheiden sich z. B. in der geplanten Nutzung, in den energetischen und den bauphysikalischen Herausforderungen. Deshalb unterscheiden sich die Gebäude voneinander und erfordern einzigartige architektonische Lösungen. Die Projekte sind gleich und doch sind sie sehr unterschiedlich.
Wo liegen die Herausforderungen ein Bauprojekt auf einem Flughafen zu realisieren und wie gehen Sie diese Herausforderungen an?
Wir haben zwei grosse Herausforderungen, um einen Bau auf dem Flughafenareal Grenchen zu realisieren. Das ist die Geologie auf der einen und der Flugbetrieb auf der anderen Seite.
Der Flughafen Grenchen liegt auf Verlandungsgebiet des ehemaligen Solothurner Sees. Unmittelbar unter dem Terrain stossen wir auf Wasser. Deshalb müssen Bauten auf Pfähle gestellt werden. Unterbauten wie z. B. ein Parkhaus sind zum Teil gar nicht oder nur mit sehr hohen Kosten möglich. Diese besondere Geologie stellt uns auch in der Wahl der Konstruktion und der Materialien vor grosse Herausforderungen. Wir versuchen die Lasten, die auf den Pfählen liegen möglichst gering zu halten und setzten bewährte Elementbautechniken mit eher leichteren Materialien (wie z. B. Holz) ein.
Die andere Herausforderung besteht im Flugbetrieb, der während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten werden muss. Dies ist nur mit Elementbau möglich. Die Elemente werden in Rüti vorgefertigt und mit Hilfe von Pneukrans aufgestellt. Wir koordinieren mit dem Flughafen die genauen Zeiten, während deren wir die Bauarbeiten durchführen können. Der Flughafen Grenchen koordiniert wiederrum die Bauarbeiten u. a. mit dem BAZL oder Skyguide. Natürlich müssen wir auch bei einem Bauprojekt am Flughafen die Gesetze und Verordnungen zur Energieeffizienz, zum Umweltschutz, zur Gebäudesicherheit etc. einhalten. In diesen Punkten sind Bauten am Flughafen mit anderen Bauten absolut vergleichbar.
Welche besonderen Regeln müssen Sie beachten und worin unterscheiden sich diese von «normalen» Bauprojekten?
Übergeordnet ist der Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Luftfahrt (SIL - https://www.bazl.admin.ch/sil). Er stellt das Planungs- und Koordinationsinstrument des Bundes für die zivile Luftfahrt dar und enthält Vorgaben für den Betrieb, zum Flugplatzperimeter, zur Lärmbelastung, zur Hindernisbegrenzung, zum Natur- und Landschaftsschutz sowie zur Erschliessung. Das im SIL enthaltene Objektblatt zum Flughafen Grenchen spezifiziert die Flughafenzone Grenchen und die Art und die Nutzung der Gebäude, die auf dieser Zone erstellt werden dürfen. Möglich sind nur Gebäude, die mit dem Flugbetrieb in Verbindung stehen.
Die Verantwortung für Bauten auf der Flughafenzone liegt beim BAZL, welches u.a. Genehmigungen für neue Bauten mit anderen Behörden, auch auf Kantons- oder Gemeindeebene, koordiniert. Im SIL sind Gebäudehöhen, Positionen der Gebäude etc. festgelegt. Aufgrund unserer langjährigen und erfolgreichen Erfahrung mit Bauten am Flughafen Grenchen kennen wir den SIL in- und auswendig. Darüber hinaus gilt es auch bei einem Bau auf dem Flughafengelände die allgemein gültigen Regelungen wie Brandschutz, Erdbebensicherheit, Umwelt- und Energie etc. einzuhalten.