
4 absolut überzeugende Antworten zum Swiss Rotor Hub
Der Aviatikjournalist, Kantons- und Gemeinderat Peter Brotschi beantwortet Fragen rund um den Swiss Rotor Hub.
Am Flughafen Grenchen wurde ein neuer Hangar der Rega eingeweiht und jetzt soll der Swiss Rotor Hub dazu kommen. Wozu diese Projekte in einer Zeit in der die Luftfahrt stark unter Druck steht?
Die internationale Verkehrsluftfahrt steht unter Druck, nicht aber die Binnenluftfahrt. Es gibt sogar Anzeichen, dass durch die Corona-Krise mehr Menschen selbst zum Steuerknüppel greifen und sich den Traum vom Fliegen ermöglichen wollen. Die vielfältige Helikopterfliegerei wird auch in Zukunft gefragt sein. Viele Aufgaben können nur mit Helikoptern effizient geleistet werden, zu denken ist etwa an die Arbeitsfliegerei in der Baubranche und im Forst und selbstredend an die SAR-Einsätze, also Such- und Rettungsflüge. Durch ihre Topografie ist die Schweiz auch ein Helikopterland.
Warum ist Grenchen der richtige Standort für den Swiss Rotor Hub?
Grenchen ist der Ausbildungsflugplatz par excellence. Selber durfte ich als Vertreter des Regionalverbands Grenchen des Aero-Club der Schweiz während 18 Jahren Mitglied des Verwaltungsrats sein. In dieser Zeit wurde Grenchen als Zentrum für die Aus- und Weiterbildung von Pilotinnen und Piloten vorangetrieben. Auch die Ansiedlung des ersten Helikopter-Unternehmens, der Firma Heli West, fiel in diese Phase. Der Flughafen Grenchen liegt zudem sehr zentral in der Schweiz und nahe der Sprachgrenze. In nur wenigen Flugminuten erreicht man völlig unterschiedliche Regionen: Den Jura, das Emmental, das Seeland und das Mittelland Richtung Grossraum Zürich.
Wie schätzen Sie die Wichtigkeit des Flughafens für die Stadt und die Region ein?
Ich sage es direkt: Von unschätzbarem Wert. Bei der Gründung des Flughafens im Jahr 1931 sagte das Komitee voller Stolz, dass nun Grenchen auf allen Fliegerkarten der Welt erscheine. Das ist auch fast 90 Jahre später noch so. Es ist in der Welt draussen leider wenig bekannt, dass Grenchen auch ein Technologiestandort ist mit vielen hervorragenden Firmen. Aber den Flughafen kennt man. Der Name unseres lebenswerten Kleinstädtchens ist fest verknüpft mit den Biografien von Tausenden von Verkehrs- und Militärpiloten, die in den letzten Jahrzehnten einen Teil ihrer Ausbildung absolviert und während Wochen und Monaten auch hier gelebt haben. Nochmals, und das sage ich auch als Kantons- und Gemeinderat: Der Flughafen ist materiell und vom Image her von sehr grossem Wert für die Region Grenchen.
Ein Flughafen ist immer mit Fluglärm verbunden. Sind diese Lärmemissionen heute noch gerechtfertigt?
Wir leben in einer pluralistischen, modernen und globalisierten Welt. Da ist es schon fast eine philosophische Frage, was gerechtfertigt ist und was nicht. Ist es gerechtfertigt, an einem Sonntag zum Vergnügen auf einem Harley durch Dutzende von Ortschaften und über drei Pässe zu fahren? Oder das Wasser von Solothurn bis Erlach mit dem Motorboot zu durchpflügen und dabei viel Energie zu verbrauchen? Man sollte doch mit dem, was uns das Leben geschenkt hat, immer verantwortungsvoll umgehen, gleich an welcher Stelle man sitzt. Als Pilot heisst dies für mich, möglichst lärmarm zu fliegen und auch mal einen Trainingsflug unter der Woche und an einem Regentag zu machen. Zudem müssen wir auch an Dekarbonisierung der Luftfahrt und an lärmarmen Flugzeugen und Helikoptern arbeiten. Grenchen hat da gute Karten in der Hand, mit dem Electrifly-In wurde unser Flugplatz zum Hotspot der Elektrofliegerei in Europa.